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Das Jahresmagazin von Innosuisse 2020

Themendossier

Nachhaltigkeit und Innovation

Innovativ und der Nachhaltigkeit verpflichtet

Mit seiner Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 zeigt der Bundesrat auf, wie er die Sustainable Development Goals (SDGs) der UNO in den nächsten zehn Jahren umsetzen will. Alle Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, diese 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen und dabei niemanden zurückzulassen.

Der Bund will seine Strategie, die bis am 18. Februar 2021 in Vernehmlassung war, in sämtlichen Politikbereichen umsetzen. Eine Entwicklung, die soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte berücksichtigt, braucht technische und soziale Innovationen. Das Umsetzen von solchen Lösungen ist unter anderem eine wichtige Voraussetzung für das Senken des Ressourcenverbrauchs, mit dem die Schweiz ihre Klimaziele erreichen will. Innosuisse fördert diese zukunftsfähigen Innovationen seit Langem, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes und wird ihr Engagement in Zukunft noch weiter verstärken.

Innosuisse fördert zukunftsfähige Innovationen seit Langem.

Eine Ausrichtung der Innovationstätigkeit an der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes eröffnet der Schweiz grosse Chancen, sich auf dem internationalen Markt mit zukunftsfähigen Lösungen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. «Die Schweiz ist da sehr gut aufgestellt», sagt Renat Heuberger, Innovationsrat bei Innosuisse. «Unser Forschungsstandort und unser Unternehmertum sind hochinnovativ.»

Bei einigen Zielen der globalen Agenda 2030 ist die Schweiz weit fortgeschritten. Sie verfügt beispielsweise über ein qualitativ hochstehendes Bildungssystem und eine gute Gesundheitsversorgung. In anderen Bereichen braucht es zusätzliche Anstrengungen, diese hat der Bundesrat zu Schwerpunktthemen erklärt. Eines davon ist «Klima, Energie, Biodiversität».


Lösungen für die Energiezukunft der Schweiz erarbeiten

Dieser Bereich hat bei Innosuisse traditionell einen hohen Stellenwert: Die Schweizer Kompetenzzentren für Energieforschung (SCCER) etwa haben von 2013 bis 2020 «Lösungen zu relevanten technischen, gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 entwickelt oder ein wesentliches Stück vorangetrieben», sagt Adriano Nasciuti, Präsident des Steuerungskomitees und Innovationsrat von Innosuisse im Interview. Die SCCER entfalten nachhaltig Wirkung: Ein Grossteil der Beteiligten führen ihre Aktivitäten weiter und entwickeln über 2020 hinaus Lösungen für die Energiezukunft der Schweiz.

Systemische Innovationen sollen eine nachhaltigere und widerstandsfähigere Welt ermöglichen.

Auch die neue Flagship Initiative von Innosuisse widmet sich dem Thema. Gefördert werden systemische Innovationen, die eine nachhaltigere und widerstandsfähigere Welt ermöglichen und damit auch zum Erreichen der Ziele für eine nachhaltige Entwicklung im Rahmen der UN-Agenda 2030 beitragen.

Start-ups müssen Strategie der nachhaltigen Entwicklung verfolgen

Die Nachhaltigkeit der Innovationsvorhaben ist seit längerer Zeit ein ausdrückliches Evaluationskriterium von Innosuisse bei der Beurteilung von eingereichten Innovationsprojekten. Auch in der Start-up-Förderung schreibt Innosuisse Nachhaltigkeit gross. Dominique Gruhl-Bégin, Leiterin der Abteilung Gründerszene und Nachwuchs: «Zu jedem Coaching gehört das Entwickeln einer Strategie der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung. Innosuisse ermutigt die Start-ups, Antworten auf entsprechende Fragestellungen zu geben.» Zudem müsse jedes Unternehmen darlegen, dass es eine Strategie der nachhaltigen Entwicklung verfolgt.

Das Impulsprogramm Innovationskraft Schweiz unterstützt ebenfalls nachhaltige Strategien. Es will unter anderem die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen im Hinblick auf die aktuelle Covid-19-Pandemie sichern. Für Gruhl-Bégin ist klar, dass viele Unternehmen nur überleben werden, wenn sie sich völlig neu erfinden und zum Beispiel neue Märkte ins Visier nehmen oder neue Bedürfnisse schaffen. Dies könne unter anderem mit einer überzeugenden Nachhaltigkeitsstrategie erfolgen. Studien beispielsweise der Oxford University oder der Bank of America zeigen, dass sich eine solche Strategie in einer höheren Rentabilität von Unternehmen niederschlägt. «Ich bin überzeugt, dass eine gute Nachhaltigkeitsstrategie auch bei Start-ups zu einer höheren Rentabilität führt und will mich dafür einsetzen, dass dies bei Schweizer Start-ups evaluiert wird.»

Interview mit Renat Heuberger

«Die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes profitiert vom Innovationsplatz Schweiz»

Renat Heuberger

ist Innovationsrat bei Innosuisse und Mitglied des Expertengremiums der Flagship Initiative. Er ist CEO und Mitbegründer von South Pole, einem Unternehmen, das auf Nachhaltigkeitslösungen spezialisiert ist.

Wie wichtig sind Innovationen für die Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 des Bundes?

Die Schweiz ist Standort ausgezeichneter Hochschulen und verfügt über ein gewaltiges Potenzial an Unternehmen, die über das ganze Land verteilt eine riesige Vielfalt von Innovationsideen generieren. Dass Nachhaltigkeit beim Bund heute einen zentralen Stellenwert einnimmt, ist für unser Land ein absoluter Glücksfall, denn wenn es um Themen wie Energieeffizienz oder nachhaltiges Bauen geht, kann die Schweiz punkten. Die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes profitiert somit vom Innovationsplatz Schweiz. Beides zusammen schafft letztlich auch Arbeitsplätze und nützt der Schweizer Volkswirtschaft.

Wie können Innovationen einen Beitrag zur globalen Nachhaltigkeit leisten?

Erstens müssen Innovationen auf die richtigen politischen Rahmenbedingungen treffen. So müsste meiner Meinung nach CO2 zum Beispiel einen Preis haben. Weltweit fliessen noch immer 400 Milliarden Franken Subventionen in fossile Energien. Das ist unerhört. Doch auch die Schweiz macht da mit, indem sie zum Beispiel das Flugbenzin von Steuern befreit hat. Zweitens darf Innovation nicht in der Technologie stecken bleiben; das Unternehmertum muss gefördert werden, wie das Innosuisse auf diversen Ebenen macht. Und schliesslich braucht es Mut zur Veränderung: Wer etwa ein neues Stadtquartier plant, muss den Mut haben, auf neueste Technologie zu setzen, auch wenn diese noch nicht x-fach bewährt ist.

Was macht eine Innovation zur nachhaltigen Innovation?

Innosuisse fördert keine Innovationen, die der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes zuwiderlaufen. Zum Beispiel hätte eine Innovation, die zur Verschwendung von Ressourcen führt, kaum Aussicht auf Unterstützung. Deshalb setzen wir uns bei der Beurteilung von Gesuchen vertieft damit auseinander, was eine Innovation im Kontext der Nachhaltigkeit bewirkt. Kürzlich ging es in einem Projekt darum, die Kabel fürs Smart Home direkt ins Bauholz zu integrieren. An sich hochinteressant. Aber was machen Sie mit dem Holz, in das Schwermetall verbaut wurde, wenn das Haus mal abgebrochen wird?

Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Förderinstrumente

Wie fliesst die Nachhaltigkeit in die Beurteilung von Gesuchen ein?

Nachhaltigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Förderinstrumente. Doch wir arbeiten nicht mit einem fixen Punkteschema. Innosuisse setzt auf die grosse Erfahrung gemischter Teams mit Fachleuten aus dem akademischen und dem unternehmerischen Bereich. Diese beurteilen gemeinsam, ob ein Projekt die Nachhaltigkeit fördert oder ihr abträglich ist. Und wenn es einen klaren Nachhaltigkeitsbeitrag leistet, hat es sicher grössere Chancen als ein vergleichbares ohne Nachhaltigkeitsbeitrag.

Wie kann Innosuisse ihre Innovationstätigkeit noch stärker an den Nachhaltigkeitszielen ausrichten?

Innosuisse macht schon einiges. Gleichzeitig gibt es immer Optimierungspotenzial, und das wird in unseren Gremien derzeit intensiv diskutiert. Innosuisse gibt der Forschungslandschaft im Normalfall keine Themen vor. Das ist im Grundsatz richtig. Doch es ist natürlich interessant, in gewissen Bereichen Zielvorgaben zu machen, wie das aktuell bei den Flagships passiert. Da sind wir dran, die optimale Balance zu finden.

Welche Hoffnungen verknüpfen Sie mit der Flagship Initiative bezüglich Nachhaltigkeit?

Innosuisse gibt hier als Novum relevante Stossrichtungen vor, etwa die Bereiche «Lieferketten» und «Dekarbonisierung», in beiden spielt die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Das zweite Novum ist, dass die systemische Innovation und der transdisziplinäre Aspekt eine grössere Rolle spielen. Problemstellungen werden ganzheitlich betrachtet und es werden gezielt Vorhaben gefördert, die nicht nur eine punktuelle Verbesserung anstreben, sondern eine nachhaltige Veränderung des Gesamtsystems. Aus diesen beiden Gründen erwarte ich von der Flagship Initiative relevante Beiträge zur Nachhaltigkeit.